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Krank durch Feinstaub und Verkehr: Wer arm ist, muss früher sterben

 

Wer an stark befahrenen Straßen wohnt, hat ein deutlich erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Hauptursache dafür sind vom LKW- und PKW-Verkehr verursachte hohe Feinstaubkonzentrationen in der Atemluft. Das belegen neue wissenschaftliche Studien der Universitäten Duisburg-Essen und Düsseldorf.

Das gesundheitliche Risiko für Stuttgarter, die bis zu 50 m neben viel befahrenen Straßen wohnen, ist um 63 % höher als in 200 m Entfernung. An den am höchsten belasteten Straßen wohnen vorwiegend Stuttgarter mit kleinen und kleinsten Einkommen. Dass gerade sie ein höheres Infarkt- und Schlaganfallrisiko haben als die Bewohner der Halbhöhenlagen, wird von den etablierten Parteien in Rathaus, Land- und Bundestag immer gern auf den „ungesunden Lebensstil“ der Armen geschoben. Diese zynischen Schuldzuweisungen werden von den Studien widerlegt: die besonderen Risikofaktoren für Herz-/Kreislauferkrankungen (z.B. Rauchen) wurden bereits besonders berücksichtigt.

Seit Jahren sollen sogenannte „Luftreinhaltepläne“ die hohe Belastung der gequälten Anwohner mit Stickoxiden und Feinstaub reduzieren. Mit viel Tamtam wurden im Frühjahr die „Umweltzonen“ eingeführt. Heute muss man feststellen: sie haben die Luftqualität kaum verbessert. Die EU-Grenzwerte für Feinstaub waren schon im Juni an 41 Tagen überschritten. Erlaubt wären 35 Tage im ganzen Jahr! Die Stickoxidbelastung steigt sogar, vor allem durch neue Dieselmotoren mit hoher Leistung. Trotz „Umweltzonen“ dürfen 95 % der Autos weiter in und durch Stuttgart fahren – Experten sagen: Im Grund kann jeder an eine Plakette kommen.

Besonders fatal ist, dass mit dem Start der Umweltzonen das Durchfahrtverbot für LKW durch die Stadt aufgehoben wurde. Auf Anweisung des (CDU-beherrschten) Regierungspräsidiums. Seither hat der LKW-Verkehr in Stuttgart spürbar zugenommen, meldet der ADAC. Die Widersinnigkeit kennt keine Grenzen: dasselbe Regierungspräsidium sagt eine Verdoppelung des LKW-Verkehrs in und um Stuttgart in den nächsten 20 Jahren voraus. Unglaubwürdig ist auch sozialdemokratische Verkehrspolitik. Bundes-Verkehrsminister Tiefensee, SPD, fordert im „Masterplan LKW-Verkehr“, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Auf welche Schienen denn, bitte? Seine Parteifreunde in Stadtrat und Landtag bejubeln seit Jahren „Stuttgart 21“ und das Ende des Güterbahnhofs!

Auch wenn die bisherige Verkehrs-, Umweltzonen- und Plakettenpolitik die gesundheitlichen Belastungen für die Stuttgarter eher verschlechtert, sieht CDU-Landes-Umweltministerin Tanja Gönner trotzdem „keine sinnvolle Alternative“ zu Umweltzone und Plakette – denn: die „… Kommunen profitieren außerdem vom Plakettenverkauf …“. Deutlicher kann man es fast nicht mehr sagen, wie wenig einen die Probleme von Hunderttausenden interessieren, deren Gesundheit massiv geschädigt wird. Anders als die etablierten Parteien und Stuttgart 21-Befürworter sagen wir: es gibt durchaus Alternativen, und erste Schritte in die richtige Richtung wären auch kurzfristig möglich:
Ein LKW-Durchfahrtverbot durch die Stadt muss verhängt und kontrolliert werden. Die Preiserhöhungen von Bahn und VVS sind völlig verkehrt, denn sie erschweren den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Dringend nötig ist vielmehr mittelfristig ein deutlich verbesserter, billiger öffentlicher Transport.

Dass an den Straßen, wo der Verkehr donnert, vorwiegend Menschen mit niedrigem Einkommen und keiner politischen Lobby wohnen, ist nichts Neues in diesem Land.
Die LINKE tritt auch in Stuttgart an, um daran etwas zu ändern!
Denn im Rathaus, in Landes- und Bundesregierung wird vor allem viel heiße Luft produziert. Und das macht den StuttgarterInnen das „schnaufen“ nicht leichter.

Thomas Adler, Ortsverband Süd, Betriebsrat – Daimler Untertürkheim



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