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1 Euro-Jobs – Im Verdacht Arbeitsplätze zu vernichten

 

Ein-Euro-Jobs sollen Hartz IV – Abhängigen  helfen. Der Erfolg ist sehr umstritten, die Nebenwirkungen sind gewaltig. Die gelebte Praxis zeigt, es werden Arbeitsplätze vernichtet.

Oft handelt es sich bei den geförderten Tätigkeiten um reguläre Aufgaben der öffentlichen Hand. Mit den Ein-Euro-Jobs werden somit reguläre Arbeitskräfte eingespart oder ein haushaltsbedingter Personalmangel ausgeglichen.

Man bekommt heute kostenlos hoch qualifizierte und hoch motivierte Hilfskräfte – vom gestandenen Handwerker über die pädagogische Fachkraft bis hin zu Informatikern oder Ingenieuren. Dass diese Ein-Euro-Jobber die Arbeit ganz normaler Mitarbeiter erledigen, kann nur durch gewissenhafte Kontrolle und Aufsicht der Arbeitsverwaltung verhindert werden.

Diese Kontrolle, sagt nun der Bundesrechnungshof, hat in 75 Prozent der Fälle versagt. Nicht nur darum stehen die Ein-Euro-Jobs in dringendem Verdacht, Arbeitsplätze zu vernichten.

Im Verdacht öffentliche Gelder zu verschleudern
Der 1 Euro-Job kostet den Arbeitgeber nichts, im Gegenteil. Und hier ist das Wörtchen „gemeinnützig“ der Schlüssel zur klingelnden Kasse.

Gilt man als „gemeinnützig“, dann hat man Anspruch auf eine vom Jobcenter vermittelte kostenlose Arbeitskraft und erhält zusätzlich eine Aufwandsentschädigung. Man spricht von Beträgen zwischen 200 € und 1.200 € im Monat je 1 Euro-Jobber/in, die den „sogenannten Arbeitgebern“ als Fördermittel überwiesen werden.

Der Bundesrechnungshof stellt den gegenwärtigen Eingliederungspraktiken kein gutes Zeugnis aus: Es herrsche ein lockerer Umgang mit Geld im Hinblick auf die freien Eingliederungsleistungen. Die Möglichkeit der freien Eingliederungsleistungen erlaubt der Hartz IV - Verwaltung, über die bekannten arbeitsmarktpolitischen Instrumente hinaus, Förderansätze zu schaffen, um den Bedürfnissen der Arbeitssuchenden gerecht zu werden. 2007 wurden 600 Millionen Euro beansprucht.

Stuttgarter Tagebuch
ER,  55 +, studiert, seit kurzem Hartz IV-Abhängig wurde vom Job Center wegen eines
1 Euro-Jobs zur SBR geschickt. Von den Angeboten „Handwerk und Dienstleistung, Gastronomie und Lebensmittelmärkte (BONUS) hat er sich für die Gastronomie entschieden.
Mitte März begann der Job in einem Ausflugslokal. Dort befanden sich noch 14 weitere
1 Euro-Jobber/innen und hofften mit ihm auf einen Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Niemand hat die Arbeit angewiesen. Es gab keine Antworten auf Fragen. Letztlich hat er getan , was er  für richtig gehalten hat. Erst nachdem 10 Tage vergangen waren, gab es eine Hygienebelehrung.
Er wollte nicht die Zeit tot schlagen und hat dann, weil alles so schmutzig war, angefangen zu putzen und aufzuräumen. Die Toiletten sahen aus, als wären Sie wochenlang nicht gereinigt worden und die Küche hatte es auch bitter nötig.  Nahrungsmittel, Putzzeug, Kühlbox und, und, und … lagen herum, es sah aus wie in einem unaufgeräumten Kinderzimmer.

Die Leitung des Biergartens scheint in allen Belangen überfordert zu sein. Wie sonst ist zum Beispiel auch die Anweisung  zu erklären, das Kaffeereste im Friteusefetteimer gesammelt werden mussten um diese als Eiskaffee am nächsten Tag wieder zu verkaufen.  Und so gäbe es noch viel zu erzählen.
Nach 3 Monaten war der Spuk vorbei und er fragte sich, wer ihn von SBR hätte eingliedern sollen.

Das Geschäft mit der Armut
Es wird Hoffnung suggeriert, die in der Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Multipliziert  man in unserem Fall die Aufwandsentschädigung mal 15 Personen, dann rechnet sich der Biergarten auch ohne Umsatz. SBR ist gemeinnützig und finanziert sich hier scheinbar durch unsere Steuergelder. Ist ein Tennisclub gemeinnützig, dann richten 1 Euro-Jobber im Frühjahr die Tennisplätze. In sozialen Einrichtungen übernehmen 1 Euro-Jobber Tätigkeiten, die vorher als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.

Hier werden mit der Armut der Menschen Profite erwirtschaftet, die bei den Langzeitarbeitslosen nicht ankommen, und niemand schämt sich. Im Gegenteil, man sonnt sich öffentlich mit dem Profit aus der Armut.

Ulf Hartmann, Schatzmeister



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