Heißes Protest-Wochenende in Stuttgart
Die von der schwarz-gelben Regierung eingeschlagene Richtung verschärfter
Sparmaßnahmen, die vor allem zu Lasten der weniger Vermögenden im
Lande gehen, sowie das Versagen dieser Regierung in der Umweltpolitik haben
an diesem Wochenende Tausende StuttgarterInnen auf die Straße getrieben.
Den Auftakt der Protest-Veranstaltungen machten am Donnerstag, 19.11.09, eine
Kundgebung des Aktions-Bündnisses „Wir zahlen nicht für Eure
Krise“ sowie die zeitgleich stattfindende „Art-Parade“, mit
der ca. 2000 KünstlerInnen die Politiker auf ihre prekäre Lage aufmerksam
machten. Während die Proteste des Bündnisses sich gegen ein breites
Spektrum geplanten Sozialabbaus richteten, wie z.B. Kürzungen in der Gesundheitsversorgung,
weiterer Stellenabbau, Haushaltssperren, die absolut misslungene und destruktive
Bildungspolitik usw., gingen die Künstler schwerpunktmässig in eigener
Sache auf die Straße. In phantasievollen Kostümen erschien beispielsweise
die junge Generation des Figurentheaters Stuttgart (FITS), um die existentiellen
Probleme, mit denen kulturelle Einrichtungen im Lande zu kämpfen haben,
an die Öffentlichkeit zu tragen. Stellvertretend für die vielen einzelnen
Einrichtungen ein Zitat aus einem offenen Brief des Kunstvereins „Oberwelt
e.V. an Politik und Verwaltung vom Oktober 2009. Dieser ehrenamtlich geführte
Verein, der seit 1978 in Stuttgart arbeitet, kommt durch die immer einschneidenderen
Kürzungen im kulturellen Bereich an die Grenzen seiner Leistungs- und
Existenzfähigkeit. „Stuttgart gibt mit der Kürzung aktuell
den Anspruch auf, seine Relevanz als Standort von unabhängiger und innovativer
kultureller Auseinandersetzung zu halten. Als politische Entwicklung stellen
die geplanten Kürzungen einen nicht hinnehmbaren Skandal dar.“ Am
Freitag, 20.11.09, folgte eine Demonstration, die von verschiedenen Jugendgruppen
initiiert wurde und sich für einen sofortigen und entschlossenen Wandel
in der Klimapolitik unter dem Motto „Don‘t melt our Future“ engagierte.
Dieses „Junges Umwelt Bündnis“ fordert eine Initialzündung
von der Politik noch 2009, sprich auf dem Umwelt-Gipfel in Kopenhagen, der
im Dezember abgehalten wird. Die Abschaltung von AKWs sowie eine drastische
Verminderung von Treibhausgasen sind zentrale Anliegen dieses Bündnisses.
Zum Abschluss des Protest-Wochenendes fand am Samstag, 22.11.09, der Bildungs-Streik
statt, zu dem sich zwischen 5000 und 6000 meist junge Leute, aber auch Eltern
und Lehrer einfanden, um ihr Recht auf kostenfreie Bildung für Alle einzufordern.
Mit großen Transparenten, auf denen z.B. „Reiche Eltern für
Alle“, „Wir sind die Zukunft“ zu lesen war, zogen sie von
der Lautenschlagerstraße zum Wilhelmsplatz. Bevor der Demonstrationszug
sich in Bewegung setzte, gelang es drei Aktivisten, auf das Dach des Hauptbahnhofs
zu gelangen und dort ein großes Transparent aufzuhängen: „KRIEGE
SABOTIEREN! - KAPITALISMUS ÜBERWINDEN!“. Am Wilhelmsplatz fand -
umrahmt von einem großen Transparent „Studiengebühren sind
unsozial“ die Abschlußkundgebung statt. Als sich die Demonstration
danach nicht gleich auflöste, wurde das große Polizeiaufgebot vor
Ort aktiv und kesselte die verbliebenen Demonstranten ein, schüchterte
sie mit ihren Schlagstöcken, berittener Polizei und dem Einsatz von Pfefferspray
ein. Offenbar setzt unsere Landesregierung darauf, aufkommenden Unmut der von
ihr „beherrschten“ Bevölkerung durch eine Demonstration von
Polizeigewalt gleich im Keim zu ersticken. Besser für die Stimmung in
der Bevölkerung und auch für die Entwicklung der Wirtschaft in diesem
Land wäre es, sich mit diesen vielfältigenProblemen ernsthaft auseinanderzusetzen
und Lösungen zu suchen, die nicht im Kaputtsparen bestehen.
Liane Krusche