Ortsverband Bad Cannstatt DIE LINKE. stuttgart
Kontakt per e-mail: ursel beck
Dienstag, den 24. November 2009
Veranstaltung mit der stellvertretenden Fraktionssprecherin von SÖS/DIE
LINKE, Ulrike Küstler zu den Haushaltsberatungen und dem Widerstand
gegen
kommunale Kürzungen, Stuttgart 21, Rosensteintunnel und Prestigeobjekte
19.00 Uhr in den Räumen des Freundschafts- und Solidaritätsvereins,
Helfergasse 5 (hinter der Cannstatter Stadtkirche)
Erinnerung an die Reichspogromnacht in Bad Cannstatt 2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben uns heute abend hier versammelt um an die Zerstörung der Synagoge in Bad Cannstatt zu erinnern. In der Nacht vom 9. auf den 10 November wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Es waren zwei Feuerwehrmänner, unterstützt von einigen Männern in Zivilkleidung, die hier Feuer legten. Was wie spontaner Volkszorn aussehen sollte war die geplante und gezielte Zerstörung vieler jüdischer Gotteshäuser in ganz Deutschland. Gleichzeitig wurden viele Geschäfte jüdischer Inhaber verwüstet und geplündert. In dieser Nacht wurden zahlreiche jüdische Männer festgenommen und in Konzentrationslager verschleppt. Von den jüdischen Gemeinden wurde verlangt ein Lösegeld für sie zu zahlen, angeblich als Entschädigung für den angerichteten Schaden, in Wahrheit um jüdische Menschen auszurauben.
Es sind nur wenige Berichte über die Zerstörungen in dieser Nacht erhalten.
Ich möchte aus einem solchen Bericht zitieren. Er stammt vom amerikanischen Generalkonsul Samuel W. Hannacker.
„Von nahezu allen jüdischen Geschäften im Stuttgarter Konsulatsbezirk wird berichtet, dass sie angegriffen, geplündert und verwüstet worden sind. Diese Aktionen wurden von jungen Männern und Halbwüchsigen ausgeführt. Unter der Zivilbekleidung konnte man leicht die gut ausgebildeten und disziplinierten SA- oder SS-Männer erkennen. Gelegentlich fiel eine Uniform der Hitlerjugend auf. Die jungen Männer setzten in den meisten Fällen ruhig und wirksam ihre Aufgabe in die Tat um. Sie warfen zuerst die Fenster ein, zerstörten die Einrichtung und begannen die Ware auf die Straße zu werfen. Während dieser Aktion schaute die Polizei entweder lächelnd oder unbeteiligt zu.“
Ein weiterer Zeuge, der sich an die Zerstörungen unde Plünderungen erinnert ist der ehemalige SPD Stadtrat Gerhard Dürr. Er war am Morgen nach den Ausschreitungen als kleiner Junge mit seiner Tante in die Innenstadt gekommen. Seine Familie kam aus einer streng gläubigen pietistischen Gemeinde in Stuttgart. Er erinnert sich an das Entsetzen seiner Tante über die noch deutlich sichtbaren Zerstörungen.
Die reichsweite Brandschatzung von Synagogen und Gebetshäusern markiert eine Richtungsänderung in der nationalsozialistischen Politik gegenüber der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Wurden sie in den Jahren davor zur Ausreise gedrängt, so fing jetzt die völlige Entrechtung an. Dazu gehörte beispielsweise die `Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben´ vom 12. November 1938. Mit dieser Verordnung wurde der Ausschluss der Juden aus der Wirtschaft staatlich angeordnet. Es war der Beginn des groß angelegten Raubzugs der deutschen Wirtschaft. Jüdische Geschäfte wurden geschlossen, jüdische Ärzte und Rechtsanwälte durften nur noch sehr eingeschränkt praktizieren. Jüdische Unternehmer und Fabriken wurden arisiert. Hier in Bad Cannstatt war es in erster Linie Textilindustrie, die davon betroffen war.
Einer der bei diesen Arisierungen ganz vorne dabei war, war der gebbürtige Stuttgarter Paul Binder. Er kam 1902 in Stuttgart zur Welt. Nach dem Abitur ging er nach Tübingen um dort zu studieren. Im Anschluss an das Studium zog er 1933 nach Berlin um eine Arbeit bei der `Revision´ Treuhand AG zu beginnen. Paul Binder begriff sehr schnell wohin die Reise mit den neuen Machthabern ging. Er beschäftigte sich in seiner Freizeit mit der Frage, wie jüdisches Eigentum in deutschen Besitz umgewandelt werden kann. 1937 wurde die Dresdner Bank auf Paul Binder aufmerksam. Sie warb ihn ab und er wurde einer von zwei Leitern der Abteilung für Arisierung, die direkt unter der Konzernspitze angesiedelt war. Die Dresdner Bank war die Hausbank der NSDAP und der SS. Die Banker der Dresdner Bank planten also bereits seit 1937 die Arisierung.
In dem Untersuchungsbericht (OMGUS-Bericht) der amerikanischen Militärregierung über die Verstrickung der Dresdner Bank mit den Verbrechen des Nationalsozialismus ist zu lesen: „Unter den Kreditinstituten in Deutschland beteiligte sich die Dresdner Bank besonders rege an der Ausbeutung und Ausplünderung der wirtschaftlichen Ressourcen in den eroberten Ländern Europas.
Mit ihren Zweigniederlassungen und Filialen bildete sie sowohl in Deutschland als auch in den eroberten Ländern die treibende Kraft zur Zwangsarisierung von Unternehmen in jüdischen Besitz. Viele große und kleine Firmen gingen in ihren Besitz über nachdem die jüdischen Eigentümer ins Gefängnis oder ins Konzentrationslager verschleppt worden waren, wo man sie oft unter Androhung der Todesstrafe zwang ihre Geschäftsanteile der Dresdner Bank zu übertragen. Sie nutzte ihre Beziehungen zur Partei und zur SS, um Unternehmen ausfindig zu machen, die sich zur `Arisierung´ eigneten, und vermittelte `Käufer´, denen sie die notwendigen Kredite zur Fortführung der Geschäfte garantierte, um dann Gebühren entsprechend dem Wert des vermittelten Objekts zu erheben.“ Soweit der offiziele Untersuchungsbericht der amerikanischen Militärbehörde.
1941 hat Paul Binder seinen Arbeitsplatz bei der Dresdner Bank gekündigt und sich als Wirtschaftsprüfer selbstständig gemacht. In dieser Zeit intensivierte er seine Zusammenarbeit mit der SS. Seine Arbeit bestand jetzt darin die Industrie der besetzten Länder Osteuropas zu schätzen, damit auch sie in das deutsche Wirtschaftsimperium eingegliedert werden konnte. Als es sich abzeichnete, dass der Krieg zu Ende ging setzte er sich zu erst nach Stuttgart ab. Als jedoch klar war, dass Stuttgart unter amerikanischen Besatzung stehen wird, zog er weiter nach Tübingen. Die Angst davor im bereits genannten amerikanischen Omgus-Bericht als einer der Täter genannt zu werden stand hinter dem Umzug nach Tübingen.
Als sogenannter unbelasteter Mann machte er schnell Karriere in der neu gegründeten CDU. Er wurde Landtagsabgeordneter, war für die CDU im Stuttgarter Gemeinderat, war jahrelang Kreisvorsitzender der Stuttgarter CDU und wurde einer der Wirtschaftsweisen. Vor wenigen Monaten ist in einer Feierstunde des baden-württembergischen Landtags an ihn als einer der Väter des Grundgesetztes erinnert worden. Er musste sich nie verantworten, wurde nie zur Rechenschaft gezogen.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bad Cannstatt endete am 1. März 1943 mit der Deportation des Zahnarztes Dr. Ernst Reichenberger nach Auschwitz. Er war der letzte der bis dahin noch hier gelebt hat. Alle anderen waren bereits ermordet oder ausgewandert. Die Männer, die seinen Mord organisiert haben, hatten ihre Schreibtische in der Gestapo-Leitstelle im Stuttgarter Hotel Silber. Von hier aus wurde die Deportation der württembergischen Juden geplant und durchgeführt. Das Gebäude soll abgerissen werden und dafür ein Luxuskonsumkomplex gebaut werden. Eine Initiative fordert seit einiger Zeit diesen authentischen Ortes des Terrors zu erhalten und dort einen Gedenk- und Lernort einzurichten.
Antisemitismus, Antizigansismus und seit einigen Jahren verstärkt
Hass auf muslimische Menschen ist ein fester Bestandteil dieser Gesellschaft.
Erst jetzt am Wochenende wurde eine Mauer der Neuen Synagoge in Dresden
mit Hakenkreuzen und nationalsozialistischen Parolen beschmiert. Ebenfalls
in Dresden findet gerade ein Prozess gegen einen jungen russslanddeutschen
Mann statt. Er hatte in einem Beleidigungsverfahren gegen ihn eine junge
schwangere Muslima erstochen. Ihr Mann, der ihr zur Hilfe kommen wollte
wurde von einem hinzugeeilten Polizisten angeschossen. Wohlgemerkt ihr
Mann, nicht der Täter. In Deutschland wurde diese Tat zunächst
totgeschwiegen. Erst nachdem in der arabischen Welt groß darüber
berichtet wurde, ist der Mord auch hier zum Thema geworden. Von außen
aufgezwungen, nicht weil sich die deutsche Mehrheitsgesellschaft gegen
diesen rassistischen Mord wehrt. Er ist einer von Hunderten seit dem
Fall der Mauer vor zwanzig Jahren.
In Pforzheim haben Schüler eines Gymnasiums einen jüdischen
Mitschüler drangsaliert und beleidigt. Sie sind sogar vor das elterliche
Haus gezogen und haben dort antisemitische Parolen gegrölt. Die
Schulleitung und die Lehrer des Gymnasiums haben aber sofort reagiert
und die beteiligten Schüler von der Schule geworfen. Außerdem
mussten sich die Schüler in Projekten und Arbeitsgruppen mit Antisemitismus
auseinandersetzen. Der jüdische Schüler hat inzwischen ebenfalls
die Schule gewechselt. Wahrscheinlich ist das ein Zeichen dafür,
dass in die Mitschüler dafür gemobbt haben, dass er die Vorfälle öffentlich
gemacht hat.
Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit tief in der Mitte der deutschen Gesellschaft verankert ist.
Wir alle müssen diesem Rassismus entgegentreten, wo immer er uns
begegnet. Sei es auf der Arbeit, in der Nachbarschaft, beim Einkaufen
oder im Freundeskreis. Lasst uns das Land zu einem Land machen, in dem
alle Menschen gerne und gut leben können.
Danke für die Aufmerksamkeit.
Janka Kluge
Stuttgart 21 ist abgewählt
Die Verbauung der Cannstatter Frischluftschneise hat keine Mehrheit mehr
Die Linke hat in Cannstatt 5,9% und einen Bezirksbeirat
Wir bedanken uns bei allen WählerInnen für die Unterstützung. Bei unserem nächsten Treffen wollen wir mit unseren WählerInnen und allen Interessierten über die Konsequenzen aus den neuen Mehrheitsverhältnissen in Gemeinde- und Bezirksbeirat diskutieren.
Wir stellen unseren Bezirksbeirat, Ali Murat Gül und seinen Stellvertreter, Siggi Deuschle vor. Alle BesucherInnen der Veranstaltung haben die Gelegenheit ihre Erwartungen an unsere künftige Arbeit im Gemeinde- und Bezirksbeirat vorzubringen und mit uns zu diskutieren. Wir sind für jede Anregung dankbar.
Termin: Dienstag, den 07.07.2009 um 19.00 Uhr
In den Räumen des Freundschafts- und Solidaritätsverein, Helfergasse 5, Bad-Cannstatt
Bildungsstreik
Ortsverband der Linken Cannstatt aktiv im Bildungsstreik
Der Orstverband der Linken Cannstatt gehörte zu den Mitaufrufern
des Bildungsstreiks und mobilisierte im Stadtteil u.a. mit der Überplakatierung
von Wahlplakaten.
Vorstandsmitglied des OV´s Ursel Beck gehörte zu den Mitinitiatoren des Elternaufrufs des Bildungsstreiks.
http://bs.risiko09.de/eltern-unterstutzen-bildungsstreik/
DIE LINKE
Ortsverband Bad Cannstatt im Stadtteil präsent
Seit 2005 sind wir im Stadtteil politisch präsent - erst als WASG, jetzt als DIE LINKE.
Wir haben die Streiks der Lokführer, im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst unterstützt. Wir waren von Anfang an aktiver Teil des Widerstands gegen Stuttgart 21, haben dazu in den letzten zwei Jahren Veranstaltungen organisiert und die Cannstatter Bevölkerung zu den stadtweiten Protesten, wie z.B. die Bahnhofumzingelung, mobilisiert.
Der Ortsverband DIE LINKE gehört mit zu den Erstunterzeichnern für den bundesweiten Schülerstreik im November 2008. Wir haben eine Rolle dabei gespielt, die Schülerinnen und Schüler an Cannstatter Schulen über den Streik zu informieren und sie zur Teilnahme am Streik zu ermutigen. „Geld für Bildung statt für Waffen – Bundeswehr raus aus Afghanistan“ war der Titel einer Veranstaltung, zu der wir in der Zeit der Mobilisierung für den Schülerstreik und für die Demo gegen die Aufstockung der Bundeswehr-Truppen in Afghanistan eingeladen haben.
Über die Rentenlüge und die Auswirkungen der letzten Rentenreformen informierten und diskutierten wir bei einer Veranstaltung im November 2008.
Im Cannstatter Krankenhaus herrscht wie in fast allen anderen Krankenhäusern gravierender Personalmangel und Pflegenotstand. Das wissen wir seit einer Veranstaltung mit Beschäftigten des Klinikums. Wir unterstützen die Bürgerinitiative „Frischluft für Cannstatt“ und die Bürgerinitiative auf dem Hallschlag. Wir haben selbst Unterschriften gesammelt gegen die Bebauung der Rommelshauser Straße und an die BI weitergeleitet.
Die Bürgerinitiative im Hallschlag haben wir im Januar bei einer Veranstaltung zur Verteidigung von Mieter- und Bürgerrechten unterstützt. An dieser Veranstaltung nahmen um die sechzig Leute teil. Es wurde deutlich, dass die Mieter von der SWSG übergangen werden und die Stadt eine Politik der Ausgrenzung betreibt. Bürgerinitiative und wir als Partei sind gefragt, die Nöte und Interessen der Menschen aufzugreifen und sie gegenüber SWSG und Stadt zu vertreten. Um für unsere Veranstaltungen und Aktivitäten zu mobilisieren und um ins Gespräch mit der Bevölkerung zu kommen, machen wir mindestens an einem Samstag im Monat vor dem Erbsenbrünnele in der Marktstraße einen Infostand.
Bei der Jahreshauptversammlung am 20.1.09 haben wir einen neuen acht-köpfigen Vorstand gewählt. Im gehören an: Ursel Beck, Helmut Brandt, Siegfried Deuschle, Ali Murat Gül, Angelika Kleemann, Wolfram Klein, Christoph Ozazek, Harald Schellinger.
„Wir bezahlen nicht für Eure Krise“ heißt das Motto des Bündnisses, das für die Großdemonstrationen am 28. März nach Frankfurt und Berlin mobilisiert und an dem DIE LINKE beteiligt ist. Bei einer Veranstaltung am 17.2. werden wir unser Sofortprogramm gegen die Krise vorstellen und diskutieren. Wir wollen die Cannstatter Bevölkerung dafür gewinnen mit uns an dieser Demo teilzunehmen und aktiv zu werden im Widerstand gegen die Abwälzung der Krisenlasten. Dies werden wir mit unserem Kommunalwahlkampf verbinden. Personell haben wir dafür gute Voraussetzungen. Auf der Kandidatenliste der LINKEN Stuttgart stehen zehn Mitglieder aus unserem Ortsverband, darunter unser Vorstandsmitglied Ali Murat Gül auf dem aussichtsreichen vierten Platz.
Ursel Beck